Freitag, 24. November 2017

Wie ich zu dem wurde, was ich heute bin | big talk


Auf ihrem Blog "vielleicht wird alles vielleichter" (ich liebe dieses Wortspiel ja voll!) hat die liebe Pia auf eine ganz wundervolle Art und Weise auf ein Thema angesprochen, welches auch in meinem Leben eine große Rolle spielt: Nämlich weniger small talk und mehr big talk! Ich möchte jetzt nicht langatmig zusammenfassen, was Pia so erzählt hat, ich würde einfach sagen, ihr klickt mal rüber und lest euch den Post selbst durch! :)

Früher war ich recht schüchtern. Zu meinen Freunden war ich zwar immer schon die, die ich heute auch bin, aber Fremden gegenüber oder auch meinen damaligen Stufenkameraden in der Schule, war ich doch eher verschlossen, aufgeregt und nervös. Wie wahrscheinlich bei vielen von euch auch, kam nach der Schule die Zeit des Wandels. Die Zeit, in der ich mich frei entfalten konnte, die Zeit, in der ich so sein konnte, wie ich wollte, ohne in einer "Kaste" zu stecken (denn so war es doch in der Schule meistens.. Du warst in der 6. Klasse die Ruhige, die sich nie meldete und immer rot wurde? Tja tut mir Leid, dann bist du es für alle auch in der 11. Klasse noch.. Kaum eine Chance auf Aufstieg und Veränderung, die Rolle, die dir einmal zugeschrieben wurde, bleibt in der Regel). 

Nach der Schule kam die Zeit, in der ich bedeutsame Menschen traf. Menschen, die mir spiegelten, dass ich viel mehr bin, als ich es im Inneren vermute. Die mir durch ihre Worte halfen, immer weiter zu wachsen. Was mir hierbei am prägnantesten im Gedächtnis geblieben ist, sind die Worte, die mein Teamer (eine Art pädagogische Begleitung) zu Zeiten meines Freiwillgen Sozialen Jahres immer zu mir gesagt hat. Er hatte mich natürlich erst nach der Schulzeit kennengelernt und seine Sicht auf mich zeigte mir, wie veraltet meine Sicht auf mich war. Wir kabbelten uns gerne mal mit Sprüchen und wann immer es darum ging, dass jemand etwas in die Hand nehmen soll, sagte er immer: "Hier Mona, das ist doch was für dich, du bist doch immer so gerne die Anführerin, du kannst doch immer gut alle rumkommandieren". Was er hier in einer humoristischen Art und Weise verpackte, waren natürlich sachlich gesehen die Ressourcen "Verantwortung übernehmen", "Entscheidungen treffen", "Aufgaben verteilen" usw.. NIEMALS hätte ich mir selbst sowas zugeschrieben, ich hatte nicht bemerkt, dass ich mich nach der Schule verändert hatte, denn in mir drin sah ich immer noch das ruhige Mädchen, das sich mit allen gut versteht, sich aber nie zu Wort meldete oder zu den "Anführern" in der Schule gehörte. Doch ich war gewachsen, zu einer Frau, die ich erst einmal selbst kennenlernen musste, und dabei halfen mir Menschen wie mein Teamer. 

Zeitgleich zu dieser Entwicklung begann ich auch, anders auf meine Mitmenschen zuzugehen. Wo mir small talk früher unangenehm war und schwer fiel, fing ich zu Zeiten meiner Veränderung an, einfach ganz offen auf Menschen zuzugehen. Und es war so viel leichter als gedacht. Ich legte einfach einen Schalter um und fing von heute auf Morgen damit an. Und das Geheimnis war, offen mit Schwächen auf Leute zuzugehen. Auf Seminaren oder Veranstaltungen, wo ich niemanden kannte, bin ich auf die Gruppe zugegangen, die ich als erstes gesehen habe (und die mir natürlich sympathisch vorkam) und habe gesagt "Hey, ich kenne hier keine einzige Person, deswegen würde ich mich euch einfach mal anschließen!" und die Reaktion der anderen war immer lachend, höflich, offen und oft erleichtert, dass es noch jemandem so geht, wie ihnen selbst. Und so begann ich, auf Oberflächlichkeiten zu verzichten und immer offen zu sagen, was ich denke und fühle, egal ob ich die Person erst 5 Minuten kannte. Und ab da fing mein Leben an so viel einfacher zu werden, das kann man kaum in Worte fassen. Alles, was vorher an Smalltalk so anstrengend war, wie die verkrampfte Suche nach Themen, das unangenehme Schweigen usw., war einfach wie weggeblasen. Wusste ich mal nicht mehr, was ich sagen soll, sagte ich einfach lachend "Du, sorry, ich weiß irgendwie gerade gar nicht, was ich noch sagen soll, ich bin ein bisschen aufgeregt" o.ä. und ich sage es euch, zu 100% der Fälle ging es meinem Gegenüber genauso und die Situation wurde von einem auf den anderen Moment gelöst, entspannt und locker. Und in so einer Stimmung kann man sich doch am besten begegnen :)

Pia schrieb am Ende ihres Posts noch Fragen auf, die sie anderen im Sinne des big talk Prinzips im Laufe eines Gespräch vielleicht stellen würde mit der Einladung, diese gerne zu beantworten und das mache ich sehr gerne!

Was ist die erste richtig schöne Erinnerung, die dir spontan einfällt? 
Boah ehrlich gesagt bin ich in sowas ganz schlecht :D Ich bin dann sofort so unter Druck, dass mir GAR NIX mehr einfällt.. Sorry, haha :(

Worauf bist du stolz?
Noch so eine Sache, die ich mit der Zeit gelernt habe: Ohne Unwohlsein Dinge zu äußern, auf die ich bei mir selbst stolz bin, ohne zu zögern, rumzudrucksen und mich selbst schlecht zu machen. Ich bin stolz darauf, dass ich so kreativ bin, dass ich wissbegierig bin und unter vielen meiner Freunde immer nur bekannt bin als "die, die immer über jedes Thema irgendwas weiß". Ich bin stolz, dass ich so offen bin, dass ich lustig bin und Leute zum Lachen bringen kann. Ich bin stolz darauf, dass ich so oft Komplimente für meinen Kleidungsstil erhalte und ich bin stolz auf meine Familie und mein Umfeld, dass sie mich zu der loyalen, ehrlichen und lebensfrohen (okay, ich gebe es zu, manchmal bin ich auch sehr zynisch und pessimistisch) Person geformt haben, die ich heute bin.

Womit verbringst du zuviel Zeit?
Mit der Uni, mit arbeiten, Bahnfahren usw.. Aber ich kann zum Glück dennoch sagen, dass ich mindestens genauso viel Zeit mit Dingen verbringe, die mich glücklich machen, wie z.B. mit Lesen, meinen Freunden, fotografieren, meinem Blog oder auch einfach nur stundenlang Youtube-Videos gucken.

Gibt es etwas, das du anders machst, als andere Menschen?
Vielleicht meine Sicht auf viele Dinge, aber das jetzt auszuführen, würde diesen Post einfach nur sprengen :) 

Danke liebe Pia, für diesen erfrischenden Post und ich hoffe du und auch ich konnten vielleicht einigen von euch, die selbst ein wenig schüchtern sind, einen Denkanstoß geben :) 

Wie geht ihr mit dem Thema um?

 photo sign_zps0izpyskn.png

Kommentare:

  1. Liebe Mona, das war sehr interessant zu lesen und mal eine ganz andere Art Beitrag sowie sehr persönlich. Ich kann aus meiner Sicht gar nicht viel dazu sagen, außer, dass es sicher sehr mutig ist, wenn man mal schüchtern war, offen auch auf andere, gerade unbekannte Menschen zuzugehen, aber, was hat man zu verlieren? Du hast ja schön weiter ausgeführt, dass man oft merkt, dass man gar nicht so alleine ist mit Nervosität oder Aufgeregt sein usw. - denn vielen geht es tatsächlich genauso. Altersbedingt sind mir diese Dinge längst verinnerlicht, aber als junge Frau war ich auch nicht schüchtern, muss ich sagen. Es fiel mir immer sehr leicht, andere anzusprechen, Small Talk zu machen, einfach auch so mit anderen jederzeit zu kommunizieren. Jeder hat ja andere Schwächen und Stärken. Ich habe aber damals schon gemerkt, wenn Leute nicht so wie ich waren, dass sie es schwerer hatten, sich durchzusetzen oder wahrgenommen zu werden, das ist nicht schön und ich hab mich wenigstens immer für Schwächere eingesetzt, wenn sie sich nicht "wehren" konnten, aber immer so den Vorreiter zu machen und für andere die Kohlen aus dem Feuer zu holen kann auch eine undankbare Angelegenheit werden. Jedenfalls finde ich es toll, dass Du diesen Wandel vollzogen hast und wenn es Dir Dein Leben einfacher macht, was ich sofort glaube, ist das sehr viel wert. Man wird auch als offener, zugänglicher Mensch anders wahrgenommen, ganz sicher! Liebe Grüße zum Wochenende <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Andrea :) Danke für deine Meinung zu dem Thema! Toll, dass du schon früh wusstest "auf dich Aufmerksam zu machen". Das kann ja auch nicht unbedingt jede von sich behaupten :) Und auch toll, dass du deinen Charakter auch dafür genutzt hast, um anderen eine Stimme zu geben, das ist so wichtig im Leben!! Aber du hast recht, manchmal ist das sehr undankbar, das merke ich inzwischen auch sehr oft, aber gerade weil ich selbst mal eher schüchtern war, ist es mir einfach eine Herzensangelegenheit :) Liebe Grüße und dir auch ein schönes Wochenende <3

      Löschen
  2. Liebe Mona,
    ich habe vorhin Pias Post und nun deinen gelesen - wirklich schön geschrieben und ich finde das Thema super interessant. Dennoch finde ich es irgendwie verdammt schwierig damit nun etwas anzufangen. Da ich ein sehr introvertierter Mensch bin, konnte ich mich in den Leitgedanken "Big Talk statt Small Talk" sehr gut reinversetzen. Ich kann mich stundenlang über tiefgründige Themen unterhalten, aber smalltalk ist und bleibt für mich einfach schwer. So wie du bei einem Seminar oder so einfach auf eine Gruppe zugehen und Hallo sagen - das kann ich auch heute einfach noch nicht. Statt smalltalk einfach big talk zu halten, geht aber irgendwie auch nicht. Wie gesagt, schwieriges Thema! Aber deine Worte, bzw. deine Erfahrungen sind auf jeden Fall motivierend :-). Vielleicht finde auch ich irgendwann den Schalter um alles umzulegen ;-)
    Ganz liebe Grüße,
    Cindy

    AntwortenLöschen
  3. Ich liebe es, dass unsere Blogger-Welt auch solche Themen zulässt und du darüber schreibst. Auch auf meinem
    Blog steigt das Interesse diesbezüglich. Als ich vor 5 Jahren mir Zeit für einen langen Artikel genommen habe und zeigen wollte wer hinter meiner Fassade steckt interessierte es wenige. Ich habe dann am nächsten Tag ein verpixeltes Foto hochgeladen mit Duckface und dann kamen über 20 Kommentare mit: wow bist du schön, perfektes Blond, geile Augenbrauen...

    AntwortenLöschen
  4. Sehr interessanter Beitrag liebe Mona (:

    Ja das kenne ich auch, die Schulzeit war keine allzu schöne Zeit für mich, jedenfalls die Oberstufe. Da wurde man tatsächlich in eine Schublade gesteckt und blieb in dieser stecken, egal, was man geändert hat! Nach der Schulzeit habe ich mich erst selbst gefunden, aber auch gemerkt, dass die Lehrer mir dabei in keinsterweise eine Hilfe waren.

    Lieber Gruß ♥

    AntwortenLöschen
  5. Oh Mona, der Post hat mir gerade so meinen Montag versüßt! Wie schön, dass du meine Fragen beantwortet hast und danke für die lieben Worte ♥
    Es freut mich, dass du die gleichen positiven Erfahrungen gemacht hast wie ich dadurch dass du offen und ehrlich auf Menschen zugegangen bist. Und darauf, dass du dich seit der Schulzeit so viel weiterentwickelt hast, kannst du tatsächlich sehr stolz sein!
    Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche, mit so wenig Bahnfahren und Unistress wie möglich und dafür mit vielen Dingen, die dich glücklich machen!
    Liebst,
    Pia
    vielleicht wird alles vielleichter

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Mona,
    ich finde diesen Post unfassbar schön geschrieben! Ich finde die Idee dahinter auch wirklich toll, denn Big Talk ist auch mal wichtig! Du hast natürlich recht, mir ging es auch so, wenn du einmal als diejenige abgestempelt wurdest, die sich nicht meldet in der Schule, dann hast du das für immer als Schild dran.
    ich bin auch immer noch sehr schüchtern und weiß oftmals nicht was ich sagen soll, aber ich arbeite da wirklich immer an mir und habe auch das Gefühl, dass es immer ein Stückchen besser wird.

    Ganz liebe Grüße <3

    AntwortenLöschen
  7. Ein sehr schöner Post! Ich weiß auch, dass ich auf andere zu Beginn erst einmal zurückhaltend wirke, obwohl ich das in Wirklichkeit gar nicht bin. Daran versuche ich auch zu arbeiten :)
    Liebe Grüße
    Sarah

    AntwortenLöschen
  8. Meine liebe Mona,
    eigentlich hatte ich hier gestern schon einen Kommentar verfasst, aber der wurde aus irgendwelchen Gründen von meinem PC wohl nicht hochgeladen :( Also nochmal: Das ist ein ganz ganz toller Beitrag!
    Ich finde es wahnsinnig mutig, wenn man sich traut an seinen "Schwächen" zu arbeiten. Allerdings sollte das nur langsam Schritt für Schritt erfolgen, damit man nicht entmutigt oder frustriert wird... Bezüglich Schüchternheit oder auf andere zugehen habe ich da gar keine Probleme, allerdings habe ich dafür andere Punkte, an denen ich regelmäßig arbeiten muss :) Du hast das so schön geschrieben :)
    Viele liebe Grüße
    Juli von JuliJolie

    AntwortenLöschen
  9. Als Kind war ich so schüchtern, dass ich mir kein Eis beim Eismann kaufen wollte - Aber das hat sich mit dem Jahren zum Glück gelegt. Du glaubst gar nicht, wie sehr meine Hände gezittert haben, als ich mein erstes Telefonat beim Nebenjob machen musste! Das ist vielleicht 5-6 Jahre her?! Heute ist zum Glück kein so großes Problem mehr, aber die ersten zwei bis drei Minuten sind nach wie vor schlimm, wenn ich die Person nicht kenne...

    Wenn ich die richtigen Personen um mich herum habe, tanze ich als erste auf der Tanzfläche und gehe auf die Bühne und sage Blödsinn. Ich habe keine Angst Kritik zu äußern und welche einzustecken, tue mich aber unfassbar schwer damit Personen grundlos anzusprechen. Oft weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, hasse Smalltalk und falle deswegen mit der Tür ins Haus. Mir ist es lieber, wenn mich jemand anspricht, aber ich kann die klassischen Antworten auf Smalltalks unglaublich schlecht verkraften und versuche es deswegen erst gar nicht, weil man mir die Begeisterung sprichwörtlich aus den Augen ablesen kann. Meine Art gefällt nicht jedem, aber mich muss auch nicht jeder mögen und verstehen. Andere finden's erfrischend, den blödesten Part eines Gesprächs einfach zu überspringen, mit dem eigentlichen Problem / Thema schnell zur Sache zu kommen und dann stundenlang Gedanken über diese merkwürdige Welt und ihre noch merkwürdigeren Bewohner auszutauschen...

    AntwortenLöschen
  10. Jetzt komme ich endlich dazu diesen Beitrag mir mal durchzulesen :)
    Ich habe den Beitrag von Pia auch gelesen und eine lange Antwort auf ihre Fragen hinterlassen ;)
    Ich finde es äußerst Interessant, wie die Person hinter dem Blog so tickt und da sind genau solche Beiträge sehr hilfreich :)
    Ich hoffe, mal, dass mein Kommentar nicht zu lang sein wird und falls doch, dann nehme es mir bitte nicht übel :/
    Also ich kann dich nur loben, dass du da so einen großen Schritt gewagt hast! Denn nicht jeder hat da so einen Must wie du und ich bin auch mal froh, wenn die ein oder andere Person auf mich zu kommt. Klar, die Person die ich schon vom Sehen kenne, ist es etwas anderes, aber sind sie mir total fremd, so bin ich froh, dass es jmd. wie dich gibt, der die Situation lockert :)
    In der Grundschule war ich auch sehr schüchtern und ab der Grundschule war ich eigentlich eine offene Person, denn ich habe viel Zeit mit vielen verschiedenen Menschen verbracht, aber seit dem ich studiere finde ich es ein wenig beängstigend offen zu sein, auch wenn es jetzt komisch klingt. Mit beängstigend meine ich: Ich finde es komisch einen Raum zu betreten, wo gleichalterige oder jüngere Kommilitonen sitzen und ich ein "Hallo" in den Raum zu "rufen", aber sind sie älter, so habe ich kein Problem damit, denn ich denke oder fühle, dass sie dem gewachsen sind oder zumindest "Hallo" antworten. Muss ich ein Projekt durch führen beiße ich mir in den Hintern und ziehe es durch, denn wenn ich ein mal damit angefangen habe, so gibt es kein Zurück, aber ein Ende :) Ich zumindest ein wenig offener zu werden und einfach lockerer zu sein um vielleicht dem ein oder anderen die Angst zu nehmen :)

    Na gut, ich hoffe mal, dass es nicht verwirrt geschrieben ist und du meinen Text nachvollziehen kannst ;)
    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und ein schönes Wochenende!
    magdaeva von https://lifestylemeetsmagdaeva.blogspot.de/

    AntwortenLöschen

Euer Lob und eure konstruktive Kritik sind herzlich Willkommen.
Bitte nutzt meine Kommentarfunktion nicht als reine Werbeplattform für euren Blog; Links, welche inhaltlich mit meinem Post zusammenpassen, sind hingegen gerne gesehen! ♥
Eure Kommentare bzw. Fragen beantworte ich über die Kommentarfunktion meines Blogs, schaltet also die Benachrichtigung ein oder schaut wieder vorbei.
♥♥♥